Es ist der 30. Juli 2022 an der Kaiserlinde. Kevin Conrad köpft in der 74. Minute zum 4:2 für die SV Elversberg, und 7.500 Zuschauer ahnen langsam, dass hier gerade etwas passiert, das nicht passieren darf. Patrik Schick verkürzt in der 89. noch auf 4:3, mehr geht nicht. Ein Aufsteiger aus der Regionalliga wirft Bayer Leverkusen in der ersten Pokalrunde raus.
Was an diesem Tag niemand ahnt: Vier Jahre später stehen dieselben zwei Mannschaften wieder hier. Morgen um 15:30, an gleicher Stelle, zum ersten Bundesligaduell der beiden überhaupt. Favorit ist wieder Bayer.
Zwei Wege, die sich kreuzen
Elversberg ist seitdem durchmarschiert. Vizemeister der zweiten Liga hinter Schalke, der erste Aufstieg der Vereinsgeschichte in die Bundesliga. In den Zeitungen stand das Wort Mondlandung. Morgen ist die SVE der 59. Verein, der jemals in der Bundesliga gespielt hat.
Bayer hat in denselben vier Jahren die Meisterschaft gewonnen, danach Trainer Xabi Alonso verloren. Es mit Erik ten Hag versucht, dann mit Kasper Hjulmand und ist am letzten Spieltag als Sechster punktgleich an der Champions League vorbeigeschrammt. Jetzt sitzt Carles Martínez auf der Bank, 42 Jahre alt, zuletzt drei Jahre Mittelfeld der Ligue 1 mit Toulouse. Es ist der dritte Trainer in zwei Jahren.
Was für Bayer auf dem Spiel steht
Der Pokalauftakt lief nach Plan. 4:0 bei Wehen Wiesbaden, Schick vor der Pause, danach Vázquez, Tella und Kofane. Debüts für Gutiérrez, Moreira und Medina. Ein Ergebnis, das nichts beweist, wie jedes 4:0 beim Drittligisten.
Morgen ist es das erste Bundesligaspiel unter Martínez. Und die Erinnerung an den vergangenen Sommer ist frisch genug, dass niemand in Leverkusen über Auftaktspiele scherzen will. Danach kommen Union und Augsburg. Verliert Bayer hier Punkte, redet in Leverkusen im Oktober keiner mehr von der Champions League.
Der Gegner, der genau weiß, was er tut
455 Millionen Euro liegen zwischen den beiden Kadern, 59 gegen 514. Die Zahl steht in jedem Vorbericht und erklärt trotzdem wenig. Elversberg hat im Pokal 3:1 in Duisburg gewonnen, Bayers Leihspieler Onyeka traf als Joker in der 88. und in der 90. Vincent Wagner hat vorher angekündigt, tiefer zu stehen als sonst, und dabei fast beiläufig erwähnt, dass sein Team das Konterspiel ganz gut beherrscht.
Das ist der Gegnertyp, an dem sich Bayer in den vergangenen zwei Jahren regelmäßig die Zähne ausgebissen hat. Tief, kompakt, schnell nach vorn, dazu ein Stadion mit 8.000 Plätzen, in dem es laut wird. Die Kaiserlinde ist kein Ort, an dem man sich in Ruhe sortiert.
Bleibt die Frage
Vier Jahre nach dem 4:3 ist die Konstellation dieselbe und doch eine andere. Damals war es ein Pokalspiel im Juli, ein Ausrutscher, der wehtat und den man wegstecken konnte. Morgen geht es um drei Punkte in einer Saison, in der Bayer sich keine Fehlstarts mehr leisten will.
Für Elversberg wäre es der größte Tag der Vereinsgeschichte. Für Bayer wäre es der zweite an derselben Stelle, über den keiner reden will.